Fit für die Zukunft

Individuelle Bewegungsangebote für übergewichtige Kinder und Jugendliche in den Alltag integrieren

Bearbeitung:

Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck, Fürstenweg 185, 6020 Innsbruck, Austria

Überblick

Die vorliegende Studie untersucht die Wirksamkeit individueller Bewegungsprogramme für übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche mit dem Ziel, einen aktiven Lebensstil zu fördern und Bewegung nachhaltig im Alltag zu verankern. Ausgangspunkt ist die hohe Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter sowie der ausgeprägte Bewegungsmangel, da ein Großteil der Betroffenen die empfohlenen täglichen Aktivitätszeiten nicht erreicht. Im Rahmen einer dreimonatigen Intervention wurden individuelle Bewegungsangebote mit persönlicher Betreuung und dem Einsatz von Fitnessuhren kombiniert. Mithilfe eines Mixed-Methods-Designs wurden sowohl subjektive Erfahrungen, motivationale Prozesse und Umsetzungsbarrieren als auch objektive Aktivitätsdaten und Veränderungen psychosozialer Aspekte untersucht.

 

Relevanz

Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter stellen eine erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Herausforderung dar, da sie das Risiko für chronische Erkrankungen und psychosoziale Belastungen im späteren Leben erhöhen. Präventive und therapeutische Maßnahmen, die früh ansetzen und alltagsnah gestaltet sind, gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Insbesondere individualisierte Bewegungsprogramme gelten als vielversprechender Ansatz, um Motivation, Teilhabe und langfristige Verhaltensänderungen zu fördern. Neben gesundheitlichen Effekten können solche Programme das psychosoziale Wohlbefinden verbessern und damit einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Betroffenen leisten.

 

Ziele und Maßnahmen

Ziel der Intervention war es, die körperliche Aktivität der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen zu steigern, Freude an Bewegung zu vermitteln und einen nachhaltigen, aktiven Lebensstil zu unterstützen. Ergänzend sollten motivationale Einflussfaktoren, Umsetzungsbarrieren sowie Effekte auf psychosoziale Aspekte und das Körperselbstbild analysiert werden. Die Umsetzung erfolgte durch eine Kombination aus Gruppencoachings, regelmäßigen Check-up-Calls, einem Abschlussevent sowie der Bereitstellung von Fitnessuhren. Die persönliche Betreuung durch qualifizierte Bewegungsexpert*innen ermöglichte die Entwicklung individuell angepasster Bewegungspläne und unterstützte eine sichere und altersgerechte Durchführung. Die Fitnessuhren dienten der Motivation und Selbstbeobachtung und lieferten objektive Daten zur körperlichen Aktivität, die für eine begleitende Evaluation herangezogen wurden.

 

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass individuelle Bewegungsprogramme von den Teilnehmenden überwiegend positiv wahrgenommen wurden. Alle Kinder und Jugendlichen berichteten subjektiv von einer Steigerung ihrer körperlichen Aktivität und dem Erreichen persönlicher Bewegungsziele. Neue Bewegungserfahrungen förderten Freude an Aktivität und begünstigten einen Übergang von extrinsischer zu intrinsischer Motivation, wobei soziale Zugehörigkeit und Gruppenelemente zentrale Wirkfaktoren darstellten. Psychosoziale Aspekte wie Stimmung, Befindlichkeit und Energielevel verbesserten sich moderat; Effekte auf das Körperselbstbild waren positiv, jedoch begrenzt. Demgegenüber konnten die subjektiv wahrgenommenen Aktivitätssteigerungen in den objektiv erhobenen Bewegungsdaten nicht bestätigt werden. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse das Potenzial individuell gestalteter Bewegungsprogramme für übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche, weisen jedoch zugleich auf Limitationen durch kurze Interventionsdauer, kleine Stichprobe und fehlende Kontrollgruppe hin. Für eine nachhaltige Verhaltensänderung erscheinen langfristige, multimodale und stärker in schulische Strukturen integrierte Programme sinnvoll.

Ergebnisbericht


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